Brauerei-Chefin denkt grün:
50 Jahre alte Tanne bleibt stehen

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Brauerei-Chefin denkt grün: 50 Jahre alte Tanne bleibt stehen

Freie Presse vom 17.08.2017

Ohne Strom geht auch in der Glückauf-Brauerei nichts. 60.000 Euro investiert die Firma, um die alte Trafostation aus DDR-Zeiten zu ersetzen. Damit begann auch der Kampf um einen Nadelbaum.

Gersdorf. „Ich war noch ein Kind, das stand die Tanne schon da, die muss mehr als 50 Jahre alt sein“, sagt Brauereichefin Astrid Peiker (46). Jetzt sollte der prächtige, kerngesunde Nadelbaum einer neuen Trafostation weichen, so der Plan des Stromversorgers EnviaM. Doch da hatten die Planer die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Für einen Moment blieb der Brauereichefin die Spucke weg. „Die Tanne bleibt, egal, was es kostet“, legte die Brauereichefin kurzerhand fest. Die Idee mit der Tanne hätte sie beinahe auf die Palme gebracht. Die Planer begriffen schnell, dass es die Brauereichefion mit ihrem grünen Engagement ernst meint. „In der Weihnachtszeit schmückt die Lichterkette den Baum. Und außerdem hängt auch mein Herz an dem Baum“, sagt sie.

Die Brauerei hatte schon immer eine eigene Trafostation. Die alte stammt noch aus DDR-Zeiten. Damals hingen auch die Schule und die Schmiede mit dran. Da ging schnell mal das Licht aus, wenn die Brauerei Strom gezogen hat. Inzwischen ist die Technik veraltet, der Austausch auch im Hinblick auf die perspektivische Umstellung des Stromversorgungsnetzes von 10 auf 20 KV notwendig. „Wir verlegen schon seit 15 Jahren 20-KV-Kabel. Die endgültige Umstellung ist grob für 2030 geplant“, sagt Bauleiter Karl-Heinz Gränitz von der firma SPIE, ehemals SAG. Die neue Station ist mit einer Grundfläche von 3 x 1,50 m deutlich kleiner und schon für die Umschaltung auf 20 KV gerüstet. Ausgelegt ist die Anlage für eine Leistung von 400 Kilowatt. Die Brauerei benötigt maximal die Hälfte.

Ursprünglich war geplant, dass ein großes Notstromaggregat die Brauerei versorgt, während das alte Trafohaus abgerissen und das neue an jener Stelle aufgestellt wird, wo die Tanne steht. Doch weil Astrid Peiker den Aufstand probte, fanden die Planer eine neue Lösung. Peer Herzig und Mike Rutsche von der Firma SPIE legten seit Montag gefühlvoll die Tanne sowie die Mittel- und Niederspannungskabel. Gestern war dann auch die Stellfläche für das neue Trafohäuschen vorbereitet. Bei Astrid Peiker glätteten sich schließlich die Sorgenfältchen, als Kranfahrer Frank Goldammer mit seinem 80-Tonnen-Kran das neun Tonnen schwere Trafohäuschen an der Tanne vorbeilancierte und auf der Stellfläche absetzte, ohne dabei auch nur einen Zweig der Tanne zu berühren. Zwei Äste hatten schon im Vorfeld weichen müssen, auch der Rhododendron, von dem ein Brauereimitarbeiter einen Teil gerettet hat.

Das alte Trafohäuschen bleibt nun stehen, wird entkernt, renoviert und zu einem kleinen Zwischenlager umgebaut. In den nächsten Tagen werden Kabel verlegt und angeklemmt. Am Montag ruht dann ab Mittag die Produktion in der Glückauf-Brauerei. „Wir brauchen etwa zwei Stunden, um alle Anschlüsse herzustellen und die Station in Betrieb zu nehmen“, so Gränitz.

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Von Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
Artikel: Hans-Peter Kuppe
Foto: Markus Pfeifer