IFS Food Gütesiegel für Glückauf Biere

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IFS Food Gütesiegel für Glückauf Brauerei

Freie Presse vom 03.05.2017

„Da geht bei mir der Puls in die Höhe“
Astrid Peiker, die Chefin der Gersdorfer Glückauf-Brauerei, über den zweitägigen Prüfmarathon für das international anerkannte Lebensmittelzertifikat IFS Food

Die Glückauf-Brauerei hat erneut das Lebensmittel-Gütesiegel nach dem international anerkannten Standard IFS Food (International Featured Standards) bekommen. Über den zweitägigen Prüfmarathon sprach Hans-Peter Kuppe mit Brauereichefin Astrid Peiker.

Freie Presse: Glückwunsch zum Prüfsiegel. Sie machen einen erleichterten Eindruck?
Astrid Peiker: Oh ja, mit dem Prüfzertifikat waren zweieinhalb Tage Stress verbunden. Vor dieser Prüfung haben wir immer großen Respekt. Da geht bei mir der Puls in die Höhe. Aber wir haben die Prüfung mit 98,23 Prozent der möglichen Punktzahl abgeschlossen. Das ist ein sehr gutes Ergebnis. Wir sind in den vergangenen Jahren nicht mehr unter 98 Prozent gesunken, das war auch diesmal unser Ziel.

Freie Presse: Ab wie viel Prozent müssen Sie sich denn Sorgen machen?
Astrid Peiker: Wenn wir unter 95 Prozent sinken, dann kann es passieren, dass uns die großen Marktketten nicht mehr listen oder unsere Produkte billiger verkaufen. Das kann wirtschaftliche Auswirkungen haben. Bei dem Siegel geht es aber in erster Linie um Verbraucherschutz. Die Ansprüche der Verbraucher werden immer höher. Deshalb wachsen auch die Anforderungen an die Lieferanten von Fertigerzeugnissen. Für uns ist die Zertifizierung deshalb auch eine Art freiwillige Selbstkontrolle.

Freie Presse: Was passiert eigentlich bei so einer Prüfung?
Astrid Peiker: Bei so einer Zertifizierung guckt der Prüfer quasi in jede Ecke. Dabei kommen nicht nur die technischen Anlagen auf den Prüfstand. In zweieinhalb Tagen werden das Qualitätsmanagement überprüft und sämtliche Betriebsprozesse analysiert. Vom Braukeller bis zur Flaschenabfüllung nimmt der sogenannte Hauptauditor alles unter die Lupe. Es werden sogar die verwendeten Rohstoffe untersucht. Auch die müssen das IFS-Prüfsiegel haben. Sämtliche Parameter werden kontrolliert, vom Produktschutz bis zum Krisenmanagement. Bei der Prüfung spielt natürlich die Hygiene eine herausragende Rolle, es geht hier schließlich um Lebensmittel.

Freie Presse: Sie laufen dabei zweieinhalb Tage mit dem Prüfer durch die Brauerei?
Astrid Peiker: Ja, da ziehe ich sogar mal wieder Turnschuhe an, das sieht man ja bei mir selten. Der Prüfer lässt sich alles zeigen, arbeitet dann seitenweise Fragen und Kriterien ab. Das ist unglaublich aufwändig. Je nach Bedarf werden die Braumeister dazugeholt. Am Ende gibt es dann noch eine Auswertung.

Freie Presse: Kann man da überhaupt durchfallen?
Astrid Peiker: Oh ja. Zum Beispiel kauft der Prüfer auf der Anreise in irgendeinem Laden eine Flasche Bier oder ein anderes Produkt aus unserer Erzeugnispalette. Die stellt er dann auf den Tisch. An Hand der Kennzeichnung des Produktes müssen wir binnen 30 Minuten alle Fakten zum Produktionsprozess für dieses Erzeugnis ranschaffen. Die Zutaten, wann der Sud angesetzt wurde, wann und wie viel davon abgefüllt und an welche Abnehmer geliefert wurde. Für jedes Produkt ist der Entstehungsprozess im Computer genau nachvollziehbar. Wir müssen das vollständig belegen können.

Freie Presse: Bei 100 Prozent gäbe es nichts zu meckern? Wo verstecken sich denn die fehlenden 1,77 Prozent?
Astrid Peiker: Da geht es oft um Kleinigkeiten, die uns selbst im Betriebsalltag nicht so auffallen. Wir sind ja eine traditionsreiche Brauerei in einem historischen Gebäude. Wir haben in den vergangenen Jahren schon enorm modernisiert. Aber unsere baulichen Möglichkeiten sind eben sehr begrenzt. Da wackelt schon mal eine Fliese, oder eine Tür ist undicht. Größere Mängel hat Auditor Wolfgang Sieber nicht gefunden. Dem Prüfprotokoll wird eine Art Mängelliste angehängt. Die Mängel müssen wir jetzt abstellen. Die Punkte stehen im nächsten Jahr in der Checkliste. Da muss alles erledigt sein.

Freie Presse: So viele Mängel können es nicht gewesen sein. Sie haben ja in den vergangenen Jahren viele Preise abgesahnt? Geht das so weiter?
Astrid Peiker: Nein, im Moment ist etwas Ruhe eingezogen. Der Rummel ums preisgekrönte Ale hat sich etwas gelegt. Wir haben trotzdem schon den nächsten Erfolg gehabt und kürzlich für unser Pilsner das große DLG-Gold bekommen.

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Foto: Andreas Kretschel