Ohne Schrot gibt es keinen Hopfentropfen

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Ohne Schrot gibt es keinen Hopfentropfen

Freie Presse vom 21.04.2017

Am Sonntag ist der Tag des deutschen Bieres. Nur wenige Tage vor diesem Höhepunkt hat die Gersdorfer Glückauf-Brauerei ihre Schrotmühle auf Vordermann gebracht. Zwei 500 Kilogramm schwere Walzen mussten raus und zwei wieder rein.

Gersdorf. Jungbrauer Felix Gödickmeier aus Neuwürschnitz schraubt die Plexiglasscheibe des Mahlganges der Schrotmühle in der Gersdorfer Glückauf-Brauerei auf. Ein Kontrollblick reicht. „Alles in Ordnung“, sagt er. Nachdem die zwei jeweils 500 Kilogramm schweren Walzen der Schrotmühle vor wenigen Tagen ausgewechselt worden sind, sieht er lieber einmal mehr als zu wenig nach dem Rechten. Der 22-Jährige hat erst im vergangenen Jahr seine Lehre als Brauer abgeschlossen.

Er kennt sich inzwischen fast genauso gut mit der Technik aus wie sein Kollege Bernd Patzlaff. Der Brauer erklärt, was es mit der Schrotmühle auf sich hat: „Ohne Schrotmühle gibt es auch kein Bier“, sagt er. Vom Silo aus wird der Mahlgang mit Gerstenmalz beschickt und dabei Wasser zugesetzt. Die Walzen, die 0,4 Millimeter voneinander entfernt mit hoher Geschwindigkeit laufen, trennen die Spelzen ab und lassen sie weitgehend unversehrt, nur der Kornkörper wird zermahlen. Dafür sind in die Walzen, die einen Durchmesser von 38 Zentimetern aufweisen, schräg umlaufende Rillen eingefräst. „Bei den alten Walzen war von den Rillen nicht mehr viel zu sehen. Die sind immerhin 22 Jahre in der Maschine gelaufen. Wir brauchten zum Mahlen immer länger“, erklärt Brauereichefin Astrid Peiker. Sie kam schon beim Zusehen ins Schwitzen, als der Monteur mit relativ einfacher Technik die zehn Zentner schweren Walzen ausgewechselt hat. „Ich war skeptisch, aber das war ein absoluter Profi, er wird auf der ganzen Welt für diesen Job gebucht. Wir haben dann in der Nacht wieder angefahren und es lief alles problemlos“, sagt die Chefin.

Jetzt geht alles schneller. Die Mühle schafft acht Tonnen pro Stunde. Braumeister Gerd Griesbach: „Für einen Sud ist das Malz locker in einer Viertelstunde durch.“ Den „Brei“ aus der Mühle befördert eine kleine Pumpe, die 90 Hektoliter pro Stunde schafft, über eine Edelstahlleitung ins Sudhaus. Dort erfolgt das Maischen und Läutern. „Was übrig bleibt, der sogenannte Treber, geht als Tierfutter an die Landwirtschaft. Einen kleinen Teil verarbeitet eine Waldenburger Bäckerei, die setzt es beim sogenannten Treberbrot zu. Das können die Besucher übrigens auch zum Tag des deutschen Bieres am Sonntag kaufen“, verspricht Astrid Peiker. Rund 23.000 Euro hat die Brauerei in den Einbau der neuen Walzen investiert. Das ist nicht die einzige Investition in diesem Jahr. 60.000 Euro muss die Brauerei für eine neue Trafostation aufbringen. „Es ist ja unsere eigene Trafostation, die stammt noch aus DDR-Zeiten. Die Envia hat uns bestätigt, dass die Technik veraltet ist.“ Im Zusammenhang mit der Umstellung des Mittelspannungsnetzes von 10 auf 20 Kilovolt soll nun eine neue Station gebaut werden. Das wollte der Netzbetreiber der Envia schon im Frühjahr durchziehen. Doch gerade da hat die Brauerei Hochbetrieb. „Jetzt machen wir das im August, wenn es etwas ruhiger zugeht“, sagt Astrid Peiker.

Zum musikalischen Frühschoppen am Sonntag anlässlich des Tages des deutschen Bieres können die Besucher bei Rundgängen die Technik anschauen, einen Blick aufs neue Etikett fürs „Radler“ werfen, das extra gebraute Festbier testen oder zünftige Blasmusik hören.

Der Frühschoppen mit dem Oelsnitzer Bergmusikkorps läuft von 10 bis 14 Uhr. Halbstündlich gibt es Führungen.

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Von Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
Artikel: Hans-Peter Kuppe
Fotos: Andreas Kretschel