Millimeterarbeit im Brauhaus: Deshalb bleibt der Zapfhahn zu

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Freie Presse vom 21.06.2016

In der Glückauf-Brauerei bremst eine Investition die Braumeister aus. Seit gestern bauen Monteure eine 100.000 Euro teure Maschine ein.

Gersdorf. Montag, 10.30 Uhr: Im Stil eines klassischen Verkehrspolizisten reguliert Brauereichefin Astrid Peiker gestern Vormittag auf dem Hof der Gersdorfer Glückauf-Brauerei den Verkehr. Kleine Stapler, zwei Bierlaster, ein Traktor – andere bringen mobile Zapfanlagen zurück, die am Wochenende bei Festen in der Region im Einsatz waren. Im ungünstigsten Moment – während ein Acht-Tonnen-Stapler eine 1500 Kilogramm schwere Maschine von der Ladefläche eines Lasters hievt – herrscht im Hof plötzlich mehr Verkehr als auf der Gersdorfer Hauptstraße. Staplerfahrer Sven Ruttloff bugsiert das Aggregat unterdessen wie ein rohes Ei auf der Staplergabel durch die Lagerhalle zur Luke. Millimeterarbeit lässt die Maschine binnen weniger Minuten im Bauch der Brauerei verschwinden.

Mit 100.000 Euro ist der Flascheneinpacker die teuerste Investition des Jahres in der Brauerei. Der alte stammt aus dem Jahr 1992, war verschlissen und musste dringend ersetzt werden. „Wir haben uns immer darüber geärgert, dass die Maschine beim Einpacken der Flaschen in die Bierkästen die noch feuchten Etiketten verschoben hat“, erklärt Astrid Peiker. „Die neue Maschine ist mit 1,5 Tonnen nicht nur 500 Kilogramm leichter, sondern arbeitet auch exakter“, sagt Monteur Uwe Bruns von der Herstellerfirma Packtec aus Hof, der die Anlage in die Abfüllstrecke integriert und sie einrichtet. Dass der Einbau der Maschine ausgerechnet in die absatzstärksten Monate – das sind Mai, Juni und Juli – fällt, war nicht geplant. Eigentlich sollte sie kurz nach den Feierlichkeiten „500 Jahre Reinheitsgebot“ im April eingebaut werden. Der Hersteller konnte die Maschine aber nicht eher liefern. Die Brauereichefin musste umdisponieren. Auf den Produktionsausfall in der Zeit der Montage hat sich ihre Mannschaft seit Langem vorbereitet. „Wir haben durch gesonderte Verkaufsaktionen den Absatz quasi vorverlegt und dann so viel abgefüllt, dass reichlich Lagerreserve vorhanden ist“, sagt sie. Da hält es die pfiffige Chefin mit einer alten Bauernregel: „Wir müssen Heu machen, wenn das Gras wächst.“

Jetzt bleibt der Hahn erst mal zu. Voraussichtlich bis zum Donnerstag. Dann soll die Maschine in die Abfüllstrecke eingebaut und eingerichtet sein. Dafür arbeitet Packtec gleich mit drei Monteuren in Gersdorf. Läuft alles glatt, verpackt die Anlage pro Stunde 10.000 Flaschen in 500 leere Kästen. Die Technologie ist pfiffig. Druckluft bläst eine Manschette auf und packt die Flasche. Nach dem Einheben in den Kasten lässt die Manschette los. Die vollen Kästen werden weitertransportiert zum Palettenpacker. „Auch der muss irgendwann ersetzt werden“, weiß Astrid Peiker schon jetzt. „Wir halten ihn solange es geht am Leben, aber viel geht da nicht mehr zu reparieren. Das wird die nächste große Investition.“

Selbst die Braumeister Gerd Griesbach und Lars Riedel packten gestern mit an. Sie werden von der Investition gerade ein wenig ausgebremst – Zeit, beim Rest der Mannschaft zu schnuppern. „Die neuen Maschinen sind auch viel einfacher zu bedienen, geht alles mit Touchscreen“, sagt Griesbach.

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Von Hans-Peter Kuppe
Foto: Andreas Kretschel