Bergmanns Kanarienvogel steht für neuen Gerstensaft Pate

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Freie Presse vom 25.04.2016


In der Glückauf-Brauerei in Gersdorf haben gestern Hunderte auf das Jubiläum des Reinheitsgebotes angestoßen. Ein neues Bier soll an eine alte bergmännische Tradition erinnern.

Als Orchesterchef Tilo Nüßler gestern den Taktstock zum Steigermarsch erhob, hielt es keinen in der Lagerhalle der Gersdorfer Glückauf-Brauerei mehr auf den Plätzen. Die heimliche Nationalhymne des Erzgebirges, traditionell gespielt vom Bergmusikkorps „Glück auf“ Oelsnitz, gab den Startschuss zum musikalischen Frühschoppen anlässlich des Jubiläums „500 Jahre Reinheitsgebot“.

Die Besucher kamen bei der Eröffnungsrede von Brauereichefin Astrid Peiker aus dem Anstoßen gar nicht mehr heraus. Ein Prosit auf den Bundesehrenpreis der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, ein Prosit auf Gersdorfer Ale, das „Bestes Bier Deutschlands“ geworden ist. Ein weiteres Prosit auf das eigens für die Jubiläumsparty gebraute hopfig-frische Festbier und noch ein Tusch auf das allerneuste Bier aus der Ideenschmiede der beiden Braumeister Gerd Griesbach und Lars Riedel. Die Idee hatte einmal mehr die Chefin selbst ausgeheckt. Es sollte ein wenig an die Bergmannstradition erinnern. Der Name: Bubi Helles. Ein spezielles Helles mit 5 Prozent Alkohol. Aufklärung zum Namen gab die Chefin persönlich. „Früher sind die Bergleute immer mit einem Vogelkäfig eingefahren, in dem ein Kanarienvogel saß. Von dem hing das Leben der Bergleute ab. Fiel der Vogel tot von der Stange, wussten die Knappen, dass zu wenig Sauerstoff im Stollen vorhanden war. Dann hieß es, nix wie weg. Und weil früher jeder zweite Kanarienvogel Bubi hieß, haben wir das neue Bier mit dem Aufreißverschluss so genannt“, sagte Astrid Peiker. Einen Schuss Humor zeigt auch das Etikett, auf dem steht: Zeit mich zu zwitschern.

Fürs Bubi Helles gab es dann schließlich noch eine Enthüllung. Die sorgte für Erheiterung unter den Gästen. Unter einem Tuch kam ein Vogelkäfig zum Vorschein, in dem zwei Bubi-Flaschen eingesperrt waren. „Ich hatte gestern noch eine Idee und habe schnell einen Vogelkäfig aus dem Baumarkt beschafft“, sagte die Brauereichefin, der man einen Mangel an Kreativität nicht nachsagen kann.

Nach der kleinen Festrede durfte dann jeder anstoßen. Das taten auch Ekkehard Winkler, Chef des 1. Brauereisouvenirsammlerclubs „Mauritius“ Zwickau, und der Glauchauer Klaus Weber. Nur einmal im Jahr treffen sich die beiden, und das ist zum Frühschoppen anlässlich des Tages des deutschen Bieres in Gersdorf. Früher waren die beiden Kollegen im Wohnungsbaukombinat in Glauchau. Weber, heute 73 Jahre alt und Rentner, war früher Chef- mechaniker im Baukombinat. Winkler und Weber ließen in Gedanken die alten Zeiten in der Kampfgruppe wieder aufleben und lachten sich schlapp über die Anekdoten. Der 73-jährige Weber schwört, er habe immer einen Kasten Gersdorfer zu Hause. Zum Frühschoppen in der Brauerei kommt er hauptsächlich wegen der Blasmusik der Oelsnitzer. Weil er mit dem Auto angereist ist, trinkt er nur Radler und nimmt von den anderen Sorten wenigstens kleine Kostproben. „Ich will schließlich wissen, was die Gersdorfer wieder Neues produzieren“, sagt er.

In der Halle und im Hof ging schon eine Stunde nach Beginn des Frühschoppens kein Apfel mehr zur Erde. Obwohl das Thermometer kaum zehn Grad Celsius erreichte, verbuchte die Brauerei volles Haus. „Wie hatten wirklich noch Glück mit dem Wetter“, zeigte sich Braumeister Gerd Griesbach erleichtert. Und auch die eigens für das Jubiläum angeschafften Bierhumpen gingen weg wie warme Semmeln.

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Von Hans-Peter Kuppe
Foto: Andreas Kretschel