Bierholen mit Krug erlebt Renaissance

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Bierholen mit Krug erlebt Renaissance

Was vor 100 Jahren üblich war, kommt wieder in Mode: Frisch Gezapftes direkt aus dem Brauhaus. Die Glückauf-Brauerei hat sich auf den Trend eingestellt – mit der Zwei-Liter-Hopfenkanne mit Bügelverschluss.

Gersdorf. Sie sieht aus wie ein Krug, dank Henkel, ist aber eine Bügelverschluss-Flasche. Und da passen zwei Liter frisch Gezapftes rein. „Es gibt immer mehr Leute, die kommen einfach vorbei und lassen sich ihren Krug auffüllen“, sagt Brauereichefin Astrid Peiker.

Als 1880 Richard Hübsch in Gersdorf auf dem Gelände einer ehemaligen Strumpffabrik die Brauerei gründete, war es üblich, dass man sich zu besonderen Anlässen das Bier im Krug oder in der Kanne nach Hause holte – entweder aus der Kneipe um die Ecke oder direkt aus der Brauerei im Gutshof. Das kommt plötzlich wieder in Mode. Weil immer mehr Biergenießer auf den Geschmack gekommen sind, hat die Chefin reagiert und für ihre spezielle Kundschaft die Bügelverschluss-Krüge ins Sortiment genommen.

„Wir nennen das die Zwei-Liter-Hopfenkanne“, sagt die Diplomkauffrau. Gezapft wird gleich aus dem „Probierhahn“, je nachdem, was der Kunde bevorzugt. „Das frisch Gezapfte hält sich bei kühler Lagerung im verschlossenen Zwei-Liter-Krug locker zehn Tage“, versichert Braumeister Lars Riedel. Er muss es wissen, denn er muss für die Qualität der Produkte auch bei seiner Chefin den Kopf hinhalten.

Astrid Peiker testet nämlich regelmäßig selbst. Diese Sensorikprüfung ist Chefsache und nichts anderes als das, was Biersommeliers auch tun. „Alle 14 Tage sitze ich mit unserer Laborantin zusammen und verkoste die gesamte Produktpalette. Natürlich nur kleine Schlucke, sonst bekommt man einen in der Krone“, sagt sie. Käse und Brot neutralisieren zwischendurch die Geschmacksnerven. Verkostet hat das Damen-Duo offenbar ganz professionell.

Denn drei Produkte haben die Lebensmittelprüfer der Deutschen Landwirtschaft Gesellschaft (DLG) erst vor wenigen Wochen mit Goldmedaillen belohnt: Bockbier, Edelpils und Gersdorfer Ale. Auf Letzteres ist Brauereichefin Astrid Peiker besonders stolz. Elf Kriterien, darunter Reinheit des Geschmacks, Rezens, also Spritzigkeit sowie Vollmundigkeit und Geruch, werden mit maximal 5,0 Punkten bewertet. In der Summe standen fürs Ale am Ende 52,90 Punkte. Das ist ein Durchschnittswert von 4,81. „Das ist ein tolles Ergebnis. Auch beim Bockbier, von dem die DLG 69 Proben bewertete, waren die Gersdorfer unter den 40 Goldenen, 14-mal gab es Silber, einmal Bronze, 14 Proben fielen durch. Auch das Gersdorfer Edel machte seinem Namen alle Ehre – es wurde ebenso „vergoldet“.

Nun steuert die Brauerei mit Riesenschritten auf den nächsten Höhepunkt zu: 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot. Das wird am 24. April ausgiebig gefeiert.

Zum Artikel der Freien Presse
Von Hans-Peter Kuppe
Foto: A. Kretschel